CCEV

22. Juni 2018

22. Internationales Dresdner Leichtbausymposium bringt Leichtbau-Experten aus aller Welt in Dresden zusammen

200 Experten diskutierten zukünftige Bedeutung des Systemleichtbaus als Schlüssel für Wachstum 2030 | Republik Korea Partnerland - Botschafter Dr. Bum Goo Jong richtete Grußwort an Teilnehmer | Leichtbausymposium spiegelte strategisch und operative Trends und Entwicklungen auf dem Gebiet neuartiger Werkstoffe, Technologien und Systeme wider | Herausragende Themen waren u.a. Materialtrends und Rohstoffverfügbarkeit, Digitalisierung, Mensch-Roboter-Kollaboration

(Dresden / 21.06.2018) 200 Experten aus dem In- und Ausland tauschten sich in der Börse der Messe Dresden am 14. und 15. Juni 2018 auf dem 22. Internationalen Dresdner Leichtbausymposium zur zukünftigen Bedeutung des Systemleichtbaus als Schlüssel für Wachstum 2030 aus. Das Partnerland Korea stand dabei im Blickpunkt der vielen Asien-interessierten Teilnehmer. Das Symposium selbst wurde flankiert von einem erfolgreichen B2B-Matchmaking koreanischer und deutscher Industrien im Rahmen der jährlichen Projektschau des Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) der TU Dresden.

In seiner Begrüßung wies der Rektor der TU Dresden Prof. Hans Müller-Steinhagen auf den großen Beitrag des Instituts zu Dresdens Ruf als Hauptstadt der Material- und Werkstoffwissenschaften hin. Das ILK gilt als ein enormer Innovationstreiber und ist wesentlicher Bestandteil und Gestalter im Dresdner Exzellenz-Forschungsverbund. Der Botschafter der Republik Korea, Dr. Bum Goo Jong, stellte die besonderen Beziehungen zwischen beiden Ländern in den Mittelpunkt seines Grußwortes. Korea und Deutschland sind starke Wirtschaftsnationen mit einem besonderen Schwerpunkt auf den Export von Hightech-Produkten. Um diese Position nachhaltig zu sichern, sind technologische Spitzenplätze in Forschung und Entwicklung erforderlich. Die vierte industrielle Revolution, aufbauend auf neuen Materialien, Werkstoffen und Werkstoffsystemen ist daher in der Wirtschaftsstrategie der Republik Korea fest verankert.

Mit der Republik Korea verbindet die Wissenschaftsstadt Dresden eine lange, intensive und auf vielen Ebenen mittlerweile freundschaftliche Partnerschaft, wie Oberbürgermeister Dirk Hilbert in seinem Grußwort ausführte. Insbesondere Leichtbau ist eine Schnittstelle, an dem koreanische und Dresdner Wissenschaftler in internationalen Teams die Zukunft mitgestalten wollen. Die enge Verzahnung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist dabei ein Erfolgsfaktor, betonte Staatssekretär Uwe Gaul vom Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Leichtbau ist deutlich mehr als „Weniger Masse“. Leichtbau ist Innovation im Bereich Materialien. Diese Innovationen müssen in der Wirtschaft Anwendung finden. Daher unterstützt der Freistaat den Austausch seiner sächsischen Hochschulen mit weltweiten Partnern mit dem Ziel, neue zukunftsfähige Arbeitsplätze in Sachsen zu schaffen.

Ein aktuelles  Beispiel für die engen Beziehungen des ILK mit Korea ist etwa das Korea-Germany Materials Center (KGMC), welches Ende 2017 mit dem Fraunhofer IKTS und dem Korea Institute of Materials Science (KIMS) in Changwon eröffnet wurde, erklärt ILK-Vorstandssprecher Prof. Hubert Jäger. Deutsche und koreanische Wissenschaftler entwickeln dort gemeinsam neue Werkstoffsysteme, Fertigungsverfahren, angepasste Auslegungsmethoden sowie Prüf- und Validierungsverfahren im Themenfeld „Funktionsintegrativer Systemleichtbau in Multi-Material-Design“. „Mit dem ‚InDeKo Innovationszentrum Deutschland Korea – The Korean-German Innovation Hub’ unterstützen wir überdies eine Plattform, die koreanische und deutsche Wissenschaftler und Unternehmen auf allen innovationsrelevanten Feldern zusammenzuführt. Im Dezember eröffnen wir zudem das Koreanisch-Deutsche Technologiezentrum in Dresden. Eine feste Basis für einen intensiven und fruchtbringenden Austausch mittels weiterer transferorientierter Technologieprojekte ist damit geschaffen“, erklärt Prof. Jäger.

Das 22. Internationale Dresdner Leichtbausymposium spiegelte strategisch und operative Trends und Entwicklungen auf dem Gebiet neuartiger Werkstoffe, Technologien und Systeme wider. Ausgewählte Industrievertreter und Wissenschaftler stellten ihre Lösungsansätze zu den Themenfeldern Digitalisierung, Urbanisierung, Mobilität und Ressourcenverfügbarkeit zur Diskussion. Als Treiber kommender Materialinnovationen erweitern bei Hybridwerkstoffen zukünftig auch Aluminium, Titan und Magnesium das Marktportfolio.

Schlüsselfaktoren für die Zukunft werden verfügbare Materialdaten sein, die durch abgesicherte Methoden der Industrie zur Nutzung angeboten werden können. Dieses Daten-Sharing sichert allen eine möglichst breite Datenbasis und beschleunigt zukünftige Entwicklungen weltweit. Die Art der zum Einsatz kommenden Geschäftsmodelle für diese breite Nutzung ist bisher noch offen. Eine Herausforderung liegt aber auch in der Beherrschung des steigenden Datenvolumens, wie Prof. Andreas Büter, Geschäftsführer Fraunhofer Allianz-Leichtbau in seinem Referat ausführte. Von der Notwendigkeit breit aufgestellter Materialdatenbanken waren jedoch alle Teilnehmer überzeugt. Gerade der Bedarf an multi-physikalischen Simulationen und der Einbindung digitaler Zwillinge in den Entwicklungsprozess zur Minimierung von Entwicklungszeiten und -kosten bestätigen das.

Das Thema Mensch-Roboter-Kollaboration wurde durch Dr. Albrecht Hoene von Kuka Deutschland als immer wichtiger für die Gesellschaft der Zukunft eingestuft. Die alternde Gesellschaft, längere Arbeitszeiten und noch stärker Präzision fordernde Produktionsprozesse eröffnen für sensible, hochflexible Robotersysteme einen neuen Markt. Nicht mehr fest installierte Werkzeuge müssen für die verschiedensten Tätigkeiten einsetzbar sein. Der heutige Roboter hinter Gittern wird dem Roboter als Helfer weichen, der sich mit den Menschen einen gemeinsamen Arbeitsplatz teilt, sensibel auf dessen Interaktion reagiert und gemeinsam mit ihm mehrere verschiedene Tätigkeiten ausführt. Dafür ist für die Maschinen ein viel höherer Leichtbaugrad als heutzutage erforderlich, mit deutlich weniger Masse und spürbar nachgiebigeren Materialien.

Der Akademische Club Leichtbau e.V. zeichnete wie seit vielen Jahren Diplomarbeiten mit Leichtbau-Bezug mit dem ACL-Nachwuchspreis aus. Diesjähriger Preisträger wurde Herr Felix Schulz für seine Arbeit „Entwicklung einer Methode zur Untersuchung des Einlaufverhaltens von Labyrinthdichtungssystemen“. Platz zwei und drei konnten Frau Angelika Kiefel und Herr Minh Nguyen erreichen.

Botschafter Dr Bum Goo Jong (Bild: A. Scheunert)

Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK)
Das Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) ist eine Forschungseinrichtung der Fakultät Maschinenwesen und der Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“ der Technischen Universität Dresden. Auf dem Gebiet des ressourcenschonenden Leichtbaus hoher Material- und Energieeffizienz führen rund 240 Mitarbeiter umfangreiche Forschungs- und Entwicklungsarbeiten durch. Die Arbeit am ILK ist geprägt vom Dresdner Modell eines "Funktionsintegrativen Systemleichtbaus in Multi-Material-Design" und basiert auf einem werkstoff- und produktübergreifenden Ansatz. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des ILK betrachten bei der Entwicklung neuer Konzepte, Prozesse und Produkte die gesamte Entwicklungskette: Werkstoff – Konstruktion – Simulation – Fertigung – Prototypentests – Qualitätssicherung – Kosten. Geleitet wird das ILK von einem vierköpfigen Vorstand: Prof. Dr.-Ing. habil. Maik Gude (Professur für Leichtbaudesign und Strukturbewertung), Prof. Dr. rer. nat. Hubert Jäger (Professur für Systemleichtbau und Mischbauweisen), Prof. Dr.-Ing Niels Modler (Professur für Funktionsintegrativen Leichtbau) sowie Prof. Dr.-Ing. habil. Prof. E.h. Dr. h.c. Werner Hufenbach (Seniorprofessur).
www.tu-dresden.de/mw/ilk

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